Excite

Was die Liebe nicht vermag

Wenn die Liebe nicht ein so großes Thema wäre, dass sie es noch auf Stromkästen schafft, wäre die Welt vielleicht gänzlich verloren - oder viel einfacher? Immer dann, wenn ein bisschen Zeit bleibt, wird die Liebe diskutiert und ist abwechselnd Ursache oder Heilung allen Übels. Manch einer übertreibt es dabei, andere sollten sie doch mal kennenlernen.

Ein Gefühl als Allheilmittel

Die Liebe wird immer wieder als das Allheilmittel gepriesen, die "unserer Zeit" vor allem fehlt. Die Idee, dass Liebe immer zum gewünschten Ziel führt und zwei, die sich lieben, erreichen können, was sie wollen, ist allerdings schon alt.

In Mozarts Zauberflöte müssen sich der Prinz und die Prinzessinen Prüfungen unterziehen, die ihre Liebe füreinander testen. Das standhafte Anschweigen und ein gemeinsam durchschrittener gefährlicher Weg beweisen dann, dass die beiden füreinander geschaffen sind und zusammen glücklich werden.

In ähnlicher Weise verlangen auch heute Paare voneinander oft "Liebesbeweise", und schlussfolgern umgekehrt, dass es wohl an mangelndem Gefühl lag, wenn die Beziehung an der harten Realität zerbricht. Dabei ist hier wohl weniger eine künstliche Probe als reale Pragmatik gefragt. Und da reicht es nicht, bloß Liebe zu fühlen oder sich auf dieses Gefühl zu besinnen, wenn die Umsetzung einer Verbesserung dann doch unmöglich bleibt.

In Shakespears "Romeo und Julia" (und so einigen anderen Stücken) bringen sich am Ende beide um, weil sie glauben, sonst ohne den anderen leben zu müssen. Im Stück kommen die beiden jungen Leute (Julia ist gerade mal 14) damit durch und "Romeo und Julia" sind der Inbegriff der Romantik.

Welcher Erwachsene kann heute eine 14jährige verzweifelt darüber weinen sehen, dass ihr Freund sich nicht rechtzeitig gemeldet hat ohne zu denken: "Auch das wird vorrübergehen"?

Wer es schafft, diese Erkenntnis auch für sich (und nicht nur im Urteil über andere) ins Erwachsenenleben mitzunehmen, wird sicher die glücklichere Beziehung führen. Denn ein Missverständnis, wie es zwischen Menschen nun mal auftritt, lässt sich durch Klärung immer besser auflösen als durch noch so große innere Qualen auf beiden Seiten.

Alles bloß ein Konstrukt?

Umgekehrt gibt es immer wieder Bewegungen, die die Liebe gleich ganz für eine Erfindung erklären wollen, weil sie von den ein oder anderen absurden Konzepten umgeben ist und manchmal ganz schön weh tut.

Dann meinen Leute plötzlich, das Glück würden sie nur dann finden, wenn sie in die Extreme gehen: Die Liebe jetzt in allem und jedem erkennen und gleich verteilen und so vor dem Risiko eines gebrochenen Herzens weglaufen. Oder gar nicht mehr an Liebe glauben und jede besondere Verbundenheit zu einem anderen ausschließen.

Selbst wenn Liebe nur ein hormonell bedingter Zustand in den wir besondere Tiefe projezieren oder ein kulturelles Konstrukt ist, auf das wir programmiert wurden: Sie existiert dann in genau der konstruierten oder projezierten Form und davor weglaufen oder ihre Existenz verleugnen bringt gar nichts.

Deutschland - Excite Network Copyright ©1995 - 2018